2.1 Ankara Universität
2.1.1 Tweet Nr. 1
Tweet Nr. 1: Die Ankara Universität verleugnet den Völkermord an den Armeniern. Das macht sie als Reaktion auf die US-Resolution, die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord anzuerkennen.
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 21:35 Uhr https://twitter.com/AnkaraUni/status/1189904222592131073
Übersetzung des Tweet Nr. 1
“Als Senat der Ankara Universität verurteilen wir mit aller Härte, dass das US-Repräsentantenhaus sich der Behauptung des sogenannten Genozids an den Armenier*innen angenommen hat und dazu eine Resolution verabschiedet hat und lehnen dies ab.”
Kommentar zum Tweet Nr. 1
Der Völkermord an den Armenier*innen ist nun schon mehr als 100 Jahre her. Weltweit ist es im Grunde anerkannte Tatsache, dass die Massaker an den Armenier*innen im Ersten Weltkrieg einen Völkermord darstellen. Der türkische Staat lehnt diese Bezeichnung ab, um sich so seiner historischen Verantwortung zu entziehen. Mehr noch: Durch das Verleugnen des Völkermordes an dem armenischen Volk möchte der türkische Staat sich die ideologische Grundlage schaffen, weiterhin eine koloniale, rassistische, faschistische und genozidale Politik gegenüber Minderheiten zu verfolgen. Im Rahmen des Völkermordes wurden etliche Armenier*innen auch in die syrische Wüste deportiert und vertrieben. Heute leben die Nachfahren dieser deportierten und vertriebenen Menschen im Norden von Syrien. Im Zuge des völkerrechtswidrigen Einmarsches der türkischen Armee sind auch diese armenischen Minderheiten akut gefährdet und stehen vor einem ähnlichen Schicksal wie ihre Vorfahren im Ersten Weltkrieg. Angesichts dieser Tatsache widerspricht dieser Tweet der Ankara Universität jeglichem Verständnis und allen Werten von Demokratie, Frieden, historischer und wissenschaftlicher Verantwortung.
2.1.2 Tweet Nr. 2
Tweet Nr. 2 Der Direktor der Universität hält zu dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der türkischen Armee und die theologische Fakultät verkündet islamistisch-militaristische Botschaften.
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 22:05 Uhr https://twitter.com/profdrErkanibis/status/1182694189571727360
Übersetzung des Tweet Nr. 2
“Dies ist keine Mitteilung. Dies ist eine #Haltung…”
Übersetzung zum Bild des Tweet Nr. 2
“Republik Türkei
Theologische Fakultät der Ankara Universität
Dies ist keine Mitteilung. Dies ist eine #Haltung
Als theologische Fakultät der Ankara Universität unterstützen wir die Operation Friedensquelle, die durch unsere glückliche Armee, deren Vergangenheit bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte reicht, gestartet wurde gegen die eingesetzten separatistischen und terroristischen Elemente im Süden der Türkei. Die Gebete Hatm-i Şerif wurden vor dem Freitagsgebet von den Studierenden unserer Fakultät zu Ehren unserer Märtyrer gesprochen. Im Angesicht der Terroristen und Kollaborateure möchten wir mit der Absicht neben unserem heiligen Militär #Haltung zu zeigen an der vorderen Front unserer Fakultät mit einem Banner mit unserer roten Fahne, die ihre Farbe aus dem Blut der Abstammung und ihre Symbole aus unserer verwurzelten Geschichte entnimmt, die Unterstützung für diese Operation zeigen.
Möge Allah unser Militär siegreich und unseren Staat ewig sein lassen.
Mögen unser Schwert scharf und unsere Siege glücklich sein.”
Kommentar zum Tweet Nr. 2
Der Direktor der Ankara Universität bezieht klar Stellung: Er ist für den Krieg. Er retweetet die Verkündung der Theologischen Fakultät. In dieser Verkündung wird der völkerrechtswidrige Einmarsch in Nordsyrien ganz im Duktus des türkischen Militarismus als “Operation Friedensquelle” verharmlost. Die Armee, das Militär und der Krieg werden verherrlicht und glorifiziert. Der Islam wird für Kriegs- und Staatspropaganda missbraucht. Die “separatistischen und terroristischen Elemente” sind ethnische, religiöse und politische Minderheiten und Gemeinschaften, die keine Gefahr für die Türkei darstellen. Diese Menschen und Gemeinschaften als “Elemente” zu bezeichnen ist schon ein Akt der Entmenschlichung und nur die epistemologische Grundlage für die Folter, die Vertreibungen, den Krieg und antidemokratischen und genozidalen Politiken des türkischen Staates im Südosten der Türkei und in Nordsyrien. Mit dem Wunsch nach scharfen Schwertern wird der Wunsch nach einem Blutbad geäußert. Das kommt dem Wunsch nach einem Massaker gleich. Dieser Tweet ist der Ausdruck für eine militaristische, faschistische, antidemokratische und menschenfeindliche Einstellung des Direktoriums der Ankara Universität.
2.1.3 Tweet Nr. 3
Tweet Nr. 3 Die Ankara Universität wünscht im Namen des Direktoriums der türkischen Armee viel Erfolg bei der Invasion.
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 23:27 Uhr https://twitter.com/AnkaraUni/status/1182654188704206849
Übersetzung von Tweet Nr. 3
“#OperationFriedensQuelle”
Übersetzung zum Bild von Tweet Nr. 3
“Unseren türkischen Streitkräften, die im Norden von Syrien gegen Terrororganisationen die Operation Friedensquelle gestartet haben, um in der Region nachhaltigen Frieden zu bringen, unserem heldenhaften Militär wünschen wir für ihren Kampf Erfolg.
Rektorat der Ankara Universität”
Kommentar zu Tweet Nr. 3
Die sogenannten Terrororganisationen sind Selbstverteidigungseinheiten der Zivilgesellschaften im Norden von Syrien, die im Zuge der Selbstverteidigung gegen den vom türkischen Staat unterstützten sogenannten “Islamischen Staat” gebildet wurden. Sie sind damit eine legitimer Mechanismus der Gemeinschaften und Minderheiten im Norden von Syrien sich gegen Aggressoren zu schützen. Die Türkei bezeichnet den Einmarsch als “Operation Friedensquelle” und nennt als Ziel einen “nachhaltigen Frieden” in der Region. Bevor die Türkei ihren Einmarsch 2018 in Afrin und jetzt in ganz Rojava/Nordsyrien begonnen hatte, lebten die Menschen – trotz des seit Jahren andauernden Bürgerkriegs in Syrien – in nahezu friedlichen Zuständen. Sie lebten entsprechend dem Gesellschaftsvertrag der Demokratischen Föderation Nord- und Ostsyrien in demokratischen, feministischen und ökologischen selbstverwalteten Strukturen. Erst mit dem Einmarsch des türkischen Staates und seiner dschihadistischen Milizen wird der Frieden in der Region gefährdet. Das Vorgehen des türkischen Militärs wird als Kampf bezeichnet. Das ist verzerrend. Massaker, Entführungen, systematische Folter, Plünderungen, Einsatz von Chemiewaffen wie Weißer Phosphor, Bombardierung von zivilen Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen sind kein Kampf, sondern Genozid. Das Rektorat der Ankara Universität übernimmt mit der Wahl seiner Worte somit das Neusprech des türkischen Faschismus und ist Teil seiner systematischen Propaganda.
2.2 Altinbas Universität
2.2.1 Tweet Nr. 4
Tweet Nr. 4 Der Präsident der Altinbas Universität postet einen rassistischen Beitrag.
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 23:58 Uhr
Übersetzung Tweet Nr. 4
“Es ist die Verantwortung aller, den nationalen Empfindsamkeiten Respekt zu zeigen.
Genauso wie wir und die UEFA die Franzosen respektieren müssen, die vor jedem Spiel ihre Nationalhymne abspielen und die nun unsere Nationalspieler, die nach dem Tor den Militärgruß gezeigt haben, beschuldigt haben. Im Anhang der Text dazu.
Zu den Waffen, Bürger,
Formiert eure Truppen,
Marschieren wir, marschieren wir!
Damit unreines Blut
Tränke unsere Furchen!”
Kommentar zum Tweet Nr. 4
Der Präsident der Universität bezeichnet den Militärgruß als nationale Empfindlichkeit. Das ist falsch. Er ist der Ausdruck von Militarismus und kriegerischem Nationalismus. Zitiert wird (relativ unkenntlich!) der Refrain der französischen Nationalhymne, welche in der Tradition Frankreichs als Kolonialmacht steht und offensichtlich Rassismus beinhaltet. Der Präsident will also den kolonialen und rassistischen Refrain der französischen Nationalhymne benutzen, um das nationalistisch-militaristische Verhalten der türkischen Fußballer zu rechtfertigen. Nicht Nachahmung von kolonialistischer und rassistischer Vergangenheit, sondern dessen Kritik ist notwendig! Das ist eine verantwortungslose Vorgehensweise eines wissenschaftlichen Leiters und Repräsentanten und der Ausdruck für den Tiefpunkt der Wissenschaft in der Türkei und der praktischen Abwesenheit freien und kritischen Denkens. Die unkenntliche und unordentliche Zitierweise, welche einen wissenschaftlichen Tabu darstellt, gibt dem ganzen Tweet den Charakter eines Aufrufes: Die Bürger sollen sich bewaffnen. “Unreines Blut” soll vergossen werden. Damit ist vor allem das “unreine Blut” der Minderheiten gemeint. Daher ist dieser Tweet angesichts der rassistisch-kolonialistischen Aggression des türkischen Staates als Aufruf zum Angriff gegen Minderheiten und Aufruf zu Pogromen zu werten. Die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts in der Türkei – der Völkermord an den Armeniern, der auch von deutschen Offizieren unterstützt und angeleitet wurde (!), die Deportationen von griechischen Minderheiten im Rahmen des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches, die mehr als 40 Massaker und Pogrome gegen Kurden und Aleviten, geben allen Grund solche schwammigen Aussagen nationalistischen und rassistischen Inhalts ernst zu nehmen und als Stimmungsmache gegen Minderheiten zu werten.
2.2.1 Artikel des Präsidenten der Altinbas Universität
Der selbe Präsident leugnet den Völkermord an den Armeniern, in dem er ihn in diesem Artikel wiederholt als “Geschehnisse” (“1915 olaylarıyla” = Geschehnisse des Jahres 2015) bezeichnet und damit verharmlost.
https://www.turkiyegazetesi.com.tr/yazarlar/prof-dr-cagri-erhan/610568.aspx
Quelle zuletzt abgerufen am 09.11.2019 um 13:30 Uhr
2.3 Liste weiterer problematischer Partneruniversitäten
Im folgenden werden alle weiteren Partneruniversitäten aufgelistet, die auf ähnliche Weise wie die Ankara Universität oder die Altinbas Universität den völkerrechtswidrigen Einmarsch des türkischen Staates in Nordsyrien unterstützen, verharmlosen oder glorifizieren. Eine Kommentierung zu jedem einzelnen dieser Nachweise bleibt aus, da die obigen Kommentare auch für die nachfolgenden Nachweise faschistischer, militaristischer, demokratie- und menschenfeindlicher öffentlicher Beiträge der Partneruniversitäten gelten.
- Marmara Universität:
http://www.marmara.edu.tr/news/baris-pinari-harekatinda-kahraman-ordumuza-basarilar-dileriz
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 23:53 Uhr
- Technische Universität des Mittleren Ostens:
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 23:54 Uhr
- Istanbul Universität:
Quelle zuletzt abgerufen am 04.11.2019 um 23:55 Uhr
- Istanbul Okan Universität:
Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:43 Uhr
- Yeditepe Universität:
Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:44 Uhr
- Bursa Uludaĝ Universität:
https://www.uludag.edu.tr/haber/view/7072/bursa-uludag-universitesinden-mehmetcige-selam
Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:45 Uhr
- Uşak Universität: https://twitter.com/universiteusak/status/1184163106685161472?s=21 Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:46 Uhr
- Süleyman Demirel Universität: https://w3.sdu.edu.tr/duyuru/8727/rektor-carikcinin-baris-pinari-harekati-icin-mesaji Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:48 Uhr
- Erciyes Universität: https://www.erciyes.edu.tr/Duyuru-Haber/Universitemiz-Baris-Pinari-Harekati-Senato-Bildirisi/14401 Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:50 Uhr
- Anadolu Universität: https://twitter.com/anadolu_univ/status/1182670472875532288?s=21 Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:51 Uhr
- Kocaeli Universität: https://twitter.com/kou92official/status/1184393949496131585?s=21 Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:51 Uhr
- Canakkale 18. März Universität: https://www.comu.edu.tr/duyuru-19478.html Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:51 Uhr
- Firat Universität: https://twitter.com/firatresmihesap/status/1182211264761737216?s=21 Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:52 Uhr
- Selcuk Universität: https://twitter.com/selcukrektorluk/status/1185096189538160644?s=21 Quelle zuletzt abgerufen am 05.11.2019 um 00:52 Uhr
